Schulverwaltung
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Riesen-Klassen und Massen-Vorlesungen: Salzburgs Schulpartner wollen die geplante Schulreform nicht. Der Landeshauptmann schon.

Zitat/Quelle: Salzburger Nachrichten v. 19.06.2017  http://www.salzburg.com/nachrichten/salzburg/politik/sn/artikel/schueler-eltern-lehrer-vernichtende-kritik-an-geplanter-schulreform-252539/

Politik gegen Schulpartner: So könnte man das harte Ringen um das geplante Schulautonomiepaket beschreiben. ÖVP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sprach sich am Sonntag gemeinsam mit den Landeshauptleuten von Tirol und Vorarlberg für eine rasche Umsetzung aus. Zugleich forderten Salzburgs Schüler-, Eltern und auch Lehrervertreter im Gespräch mit den SN, dass die geplante Schulreform sofort zu den Akten gelegt werden müsse. Die Schulpartner befürchten, dass die Klassen, in denen schon jetzt teilweise bis zu 36 Schüler sitzen, noch größer werden könnten. Das geplante Schulautonomiepaket stößt in Salzburg auf massive Ablehnung. Während in Wien die Regierungsparteien noch immer um eine Mehrheit im Parlament ringen, fordern in Salzburg die Schulpartner (Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter), dass dieses Schulpaket endgültig ad acta gelegt wird.

"Niemand will das Paket. Und trotzdem will man es durchdrücken", sagt der aus Salzburg stammende Bundeselternvertreter Gernot Schreyer. Dieses "Paket" würde massive Verschlechterungen bringen. Zentraler Kritikpunkt ist die vorgesehene Aufhebung der Klassenschülerhöchstzahlen. Das heißt: Wenn sich die Schulleitung entscheidet, Lehrerstunden umzuschichten, könnten statt derzeit maximal 36 Schülern künftig auch 40 oder mehr in einer Klasse sitzen.

Solche Überlegungen gebe es an seiner Schule bereits, sagt BMHS-Lehrervertreter Anton Haslauer, der an der HTL Salzburg unterrichtet. Auch über Vorlesungen für 60 Schüler oder mehr werde nachgedacht. So könnten etwa in Fächern wie Geschichte oder Geographie mehrere Klassen zusammengelegt und - ähnlich wie an der Universität - in Vorlesungsform unterrichtet werden.

Da die Reform kostenneutral sein soll, wird es nicht mehr Geld für die Schulen geben. Wenn es aber nicht mehr Lehrerstunden gebe, sondern nur der bestehende Kuchen anders aufgeteilt werden soll, seien Konflikte an den Schulstandorten programmiert, sagen Kritiker wie Claudia Dörrich, Direktorin am Salzburger Christian-Doppler-Gymnasium. "Da befürchte ich wirklich einen Kampf innerhalb der Schule, Fächer gegen Fächer. Wir würden schon eine Reform brauchen, aber eine andere, eine pädagogisch-inhaltliche, nicht eine Strukturreform."

Besonders stoßen sich die Schulpartner an der Tatsache, dass ihre Mitspracherechte mit dem Schulautonomiepaket eingeschränkt würden. So wäre für Entscheidungen im Schulgemeinschaftsausschuss (Schüler-, Eltern-, Lehrervertreter) nur noch eine einfache Mehrheit nötig statt, wie bisher, eine Zwei-Drittel-Mehrheit in jeder Kurie. Die Schulleiter könnten dann beispielsweise versuchen, die Mehrheit der Eltern und Schüler zu überstimmen, heißt es.

Das Schulautonomiepaket soll den Schulleitern bzw. den Leitern mehrerer Schulen (Clusterleitern) mehr Gestaltungsmöglichkeiten einräumen. Diese würden auch mehr Rechte erhalten - etwa bei der Festlegung der Gruppengrößen und Klassenschülerzahlen. Der Plan: Wenn ein Direktor größere Klassen bildet, kann er durch diese Einsparungen etwa zusätzliche Förderstunden anbieten.

Allerdings braucht die Bundesregierung für eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat die Zustimmung einer weiteren Partei. Die laufenden Verhandlungen mit den Grünen ziehen sich hin. Streitpunkt sind die Modellregionen zur gemeinsamen Schule.
Plan: Mehr Macht für Schulleiter

Das Schulautonomiepaket soll den Schulleitern bzw. den Leitern mehrerer Schulen (Clusterleiter) mehr Gestaltungsmöglichkeiten einräumen. Diese würden auch mehr Rechte erhalten - etwa bei der Festlegung der Gruppengrößen und Klassenschülerzahlen. Der Plan: Wenn ein Direktor größere Klassen bildet, kann er durch diese Einsparungen etwa zusätzliche Förderstunden anbieten.

Allerdings braucht die Bundesregierung für eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat die Zustimmung einer weiteren Partei. Die laufenden Verhandlungen mit den Grünen ziehen sich hin. Streitpunkt sind die Modellregionen zur gemeinsamen Schule.