Stellungnahmen
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Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben die laufende Diskussion zur Gesamtschule eine Weile verfolgt, und abgewartet, ob und in welcher Form die Eltern als Schulpartner in die Diskussion eingebunden werden.
Nachstehend senden wir Ihnen unseren Beitrag zur Diskussion.

STELLUNGNAHME ZU DER AKTUELLEN DISKUSSION GESAMTSCHULE

Der BEV steht einem Modellversuch Gesamtschule (dies gilt nicht für Wien, weil er dort flächendeckend eingeführt werden soll) grundsätzlich offen gegenüber, damit sich dieses System endlich beweisen kann und muss. Schwächen und Stärken des Systems sind aufzuzeigen, derzeit redet man nur über die Stärken.

Aus Elternsicht sind wir nicht gegen Modellversuche, sofern sie keinen Zwang ausüben.

Hinsichtlich des Modellversuches bestehen die Befürchtungen jedoch darin, dass man damit unter enormem finanziellen Einsatz einen Prototypen erzeugt, der zum Erfolg gezwungen wird, der aber schon deshalb mit dem derzeitigen Schulsystem der Differenzierung nicht vergleichbar ist, weil er im Verhältnis dazu unter einem ganz anderen Ressourceneinsatz läuft. (Anmerkung dazu: Viele langjährige Forderungen von uns sind immer wieder am Finanziellen gescheitert, bei diesem Modell spielt Geld offensichtlich keine Rolle.)

Unser Vorschlag diesbezüglich ist ein schrittweises Vorgehen. Sofern sich der Modellversuch bewährt, soll er als einer von mehreren Schultypen angeboten werden, z.B.: „Schulzweig Gesamtschule BORG Klagenfurt“. Er sollte dann als Zusatzangebot in der Bildungslandschaft stehen und die Erziehungsberechtigten sollen die Wahlmöglichkeit haben, in welchen Schultyp sie ihre Kinder schicken.

Grundsätzlich wehren wir uns gegen die Art der Einführung des Modellversuches, da es keine Einbindung der Schulpartner gab. Wenn man ein derartig tragendes Projekt, auch wenn es nur ein Modellversuch ist, ohne Einbindung der Schulpartner beschließt, so ist dies eine Missachtung der Schulpartnerschaft. Bildungspartnerschaft sieht aus unserer Sicht anders aus. Wer etwas Gemeinsames auf die Beine stellen will, muss alle Betroffenen einbinden und nicht monatelang heimlich etwas ausverhandeln und dann erwarten, dass alle davon begeistert sind. Das Elternhaus gehört zu einem der Eckpfeiler der Bildungslandschaft, alles was für den Vormittag beschlossen wird, müssen wir am Nachmittag mittragen; alles, was am Vormittag versagt, haben wir am Nachmittag aufzuarbeiten.

Zur Frage: „Wie stehen der BEV zur Gesamtschule?“

Der BEV ist für eine permanente Verbesserung des Schulsystems, aber gegen das System von euphorischen Ankündigungen ohne Inhalt und Konzept.
Wenn schon das derzeitige Schulsystem der Differenzierung aufzeigt, dass der einzelne Lehrer überfordert ist, auf individuelle Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen, wie soll das dann mit einer noch größeren Bandbreite zwischen lernschwachen und lernstarken Schülern funktionieren?

Bis jetzt konnte noch kein Befürworter der Gesamtschule erklären, wie ein ganz normaler Schulalltag aussehen wird. Welche Gegenstände unterrichtet der AHS-Lehrer, welche der Hauptschullehrer? Wie soll ohne ganztägiges Schulangebot in der Gesamtschule die innere Differenzierung stattfinden? Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sich die Unterrichtsqualität der Lehrer mit einer erhöhten Aufgabenstellung verbessert.

Der erhöhte Ressourceneinsatz im Modellversuch führt zu einer Wettbewerbsverzerrung und damit zu einem extremen Glaubwürdigkeitsproblem des derzeitigen Systems. Es scheint so, dass manche Politiker glauben, mit dieser euphorischen Ankündigung ihre Hausaufgaben im Bildungsbereich erledigt zu haben und für die nächsten 4 Jahre (Modellversuch) keinen Blick mehr für andere Schulprobleme haben.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir im Bildungsbereich eine Fülle von ungelösten Problemen haben, die schon längst einer Lösung bedürfen.

Mit freundlichen Grüßen,

Im Namen des Vorstandes,
Margit Johannik
Bundesgeschäftsführerin